M A D A G A S K A R 1996



Baobabwald an der Westkueste bei Morondava





Informationen ueber Madagaskar

Klima

In Madagaskar, das sich auf der Suedhalbkugel befindet, ist von April bis Oktober Winter. In der Zeit regnet es und im Hochland sind Temperaturen um Null Grad moeglich. Waehrend des Tages wird es dagegen wieder angenehm warm. Von November bis Mai ist dagegen Suedsommer mit feucht-heissem Klima und kurzen, heftigen Schauern in den Abendstunden. Das Klima variert jedoch sehr stark in den einzelnen Landesteilen:

Die Ostkueste:

Hier herrscht das ganze Jahr ueber hohe Luftfeuchte, der Suedostpassat bringt zwischen 1500 und 3500 mm Regen. Man muss also immer mit Regenschauern rechnen, auch im sogenannten "Suedwinter". Die Temperaturen liegen konstant zwischen 25 - 30 Grad.

Das zentrale Hochland:

Im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo liegt im Regenschatten des Suedostpassats und erhaelt zwischen 1000 und 2000 mm Regen pro Jahr. Von April bis November ist es hier frisch zum Teil auch empfindlich kalt. Tagsueber erreichen die Temperaturen an die 15 Grad. Dagegen erreichen die Temperaturen von November bis April untertags tropisches Ausmasse.

Die Westkueste:

Hier wirkt sich der Regenschatten des oestlichen Berglandes aus. Daher fallen von April bis November nahezu keine Niederschlaege. Die Temperaturen sind ganzjaehrig hochsommerlich warm.

Der Sueden:

Diese Region ist von Suedostpassat und Nordwestmonsun unbeeinflusst. Es ist hier immer heiss und trocken. Die Niederschlaege erreichen nur 300 - 500 mm pro Jahr und die durchschnittlichen Temperaturen etwa 28 Grad.

Land & Geographie

Madagaskar ist durch den Kanal von Mocambique von der Ostkueste Afrikas getrennt und die Flaeche der Insel umfasst ca. 590.000 km2. Im Landesinneren liegt ein Hochplateau von etwa 1400 m Hoehe, welches zur Westkueste hin sanft abfaellt. Die Insel laesst sich grob in folgende Landschaften einteilen: von Norden bis Sueden erstreckt sich ueber eine Breite von etwa 100 km das oestliche Randgebirge dicht bewachsen von Regenwald. Westlich davon schliesst das zentrale Hochplateau an, das fruchtbar ist und kultiviert wird. Die Landschaft hier ist huegelig und es ragen grosse Erosions- und Verwitterungszonen heraus. Im Suedwesten liegt das Plateau der Mahafaly, eine trockene und unfruchtbare Gegend.

Bevoelkerung

Momentan leben auf der Insel ca. 20 Millionen Menschen, die zu 19 Volksgruppen gehoeren. Diese ernaehren sich uebewiegend von Viehzucht, Landwirtschaft und Fischfang. Die Bevoelkerungsdicht ist mit 17 Einwohnern pro km2 im Vergleich zur BRD mit 246 pro km2 recht gering.

Man findet auf Madagaskar die unterschiedlichsten Menschentypen, die alle charakteristische Merkmale einer afro-asiatischen Verschmelzung aufweisen. Etwa zeigen die Merina und die Betsileo unvekennbar malayisch-polinesiche Herkunft. In anderen Landesteilen dominieren Ethien mit negroiden Zuegen.



Unsere Tour (in Wort und Bild)


Wir bereisten Madagaskar im Jahr 1996 von 19. August bis 25. September. Inspiriert wurde ich durch Wolfgang Mark, der kurz davor mit der Uni Innsbruck in Madagaskar war und deren Photos, und durch einen anderen Bekannten, der schon wiederholt auf Nosy Boraha war und uns seine Photos zeigte. Doch schon bei der Planung war eine Huerde zu nehmen, naemlich der Flugpreis. Und mit 15.000,-- oeS war das auch dann der grosste und einzig sehr teure Teil der Reise. Das liegt wohl an der geringen Anzahl von Fluegen die nach Antananarivo gehen.

Ansonsten gab's natuerlich das uebliche Programm einlesen, eine Route zusammenstellen und ich versuchte auch mit Hilfe von "Madegassisch" aus der Reihe "Kauderwelsch" auch etwas die Sprache der Einheimischen zu lernen. Das ist jedoch aehnlich schwer wie das Erlernen von Thai, doch auch wenige Worte konnten wir dann schliesslich gut einsetzen und brachten oft ein freundliches und herzliches Laecheln. Unsere Anreise erfolgte ueber Paris, und von dort via Nairobi in Kenio ueber 6.500 km nach Tana, wie die Hauptstadt auch von den Einheimischen genannt wird. Schon beim Anflug von Nordwesten sahen wir eines der grossen Probleme Madagakars ganz deutlich:

.
Die Kueste im Nordwesten

Zuallererst gab's fuer uns einmal einen recht grossen Kulturschock, denn das Madagaskar zu den zehn aermsten Staaten der Welt gehoert, war ueberall zu sehen. Wir liessen uns zuerst von einem Taxi zum Hotel bringen, und machten uns dann zu Fuss auf, die naehere Umgebung der Hauptstadt Tana zu erkunden:

Tana - Madagaskar's Hauptstadt

Da wir nicht geplant hatten lange in Tana zu bleiben ging's schon am naechstn Tag weiter mit einem tollen Kleinbus (unserem besten Gefaehrt in ganz Madagaskar) ueber rund 100 km Richtung Sueden nach Antsirabe. Dort naechtigten wir im Hotel mit dem leicht merkbaren Namen "Fitsangantsanganana", den man einmal fuenfmal schnell hintereinander aussprechen sollte. Von hier aus starteten wir tags darauf eine tolle Wanderung zum "Lac Tritriva". Das war echt beeindruckend, denn dieser See liegt sehr malerisch umgeben von hohen Feldwaenden. Aufpassen muss man nur, wie im restlichen Land auch, das man kein "Fady" (Gebote der Einheimischen) verletzt, denn man darf das Wasser etwa nicht mit den Haenden beruehren, wenn man gerade Fleisch gegesessen hat. Von dem See aus hatten wir aber auch einen herrlichen Rundblick auf die Umgebung:

Reisfelder um den Lac Tritriva

Nach unserer Wanderung war das naechste Ziel und der erste Hoehepunkt eine Flussfahr im Westen Madagaskar's. Doch dazu mussten wir erst mit einem sogenannten Taxi-Be, ueber gut 150 km Richtung Westen nach Miandrivazo kommen. Und diese Fahrt blieb uns leider besonders gut in Erinnerung, als der Waagen naemlich ploetzlich immer schneller wurde und der Kassier uns allen deutete, wir sollen uns nach unten ducken, erkannten wir die Situation. Dann schoss der Waagen ungebremst einen Huegel hinunter und durch ein Dorf, wo er am Gegenhang ausrollte. Wir waren alle froh, dass nichts passiert war und das wildeste war, dass nun die Bremsen irgendwie repariert wurden und wir nach 1,5 Stunden die Fahrt fortsetzten, man kann sich denken, mit welchem Vertrauen in den Fahrer! In Miandrivazo checkten wir uns dann bei einem Studenten einen 3 1/2-Tagestrip entlang des Flusses Tsiribihina. Und das war eine der tollsten Fahrten die wir je gemacht haben:

Flussfahrt am Tsiribihina

Nach drei 1/2 Tagen waren wir natuerlich auch wieder froh, richtig duschen zu koennen. Und so ging's per Taxi-Be durch eine sehr interessante, wenn auch sehr trockene Landschaft vom kleinen Oertchen Belo sur Tsiribihina Richtung Morondava:

Am Weg nach Morondava

Morondava kam uns also wie gerufen, und wir regenerierten uns erst einmal komplett. Den naechsten Tag verbrachten wir am Meeresstrand an der Westkueste, an dem wir ausser einigen einheimischen Kindern die einzigen waren. Schliesslich ging's weiter und zwar diesmal per LKW. Von Morondava nach Toliara gibt's nur Pisten und die schafft nur ein Lastwagen. Wir bekamen zuerst die Info, dass wir einen Tag fahren wuerden, und waren dann ueberrascht, als wir ploetzlich im Niemandsland uebernachten mussten. Niemandsland deshalb, weil wir hier wirklich keine Infrastruktur mehr hatten und so an einer einfachen Huette der Einheimischen eintrafen, wo ich versuchte, was zu essen zu besorge. Ein Bild aus den Doerfern koennt Ihr hier sehen:

Beim Wasserholen

Schliesslich erreichten wir nach zwei statt einem Tag geplanter Fahrt doch noch Ifaty, ein kleines Dorf im Suedwesten von Madagskar. Hier gibt es zumindest etwas bescheidenen Tourismus, was dadurch zu erkennen ist, dass sich hier am Meer doch ein paar Hotels befinden, die vor allem von Franzosen besucht werden. So fanden wir auch einen sehr netten Bungalow und genossen zwei ruhige Tage.

Ifaty - Meer und Dornenwald

Nach Ifaty ging's fuer uns weiter weg von der Westkueste und zurueck in ins Landesinnere. Da wir nun schon Erfahrung hatten, suchten wir uns auch fuer diese Fahrt (ja, natuerlich sie soll nur einen Tag dauern!) einen LKW als Gefaehrt aus. Zur Abwechslung fuhren diesmal neben uns und den Einheimischen auch zahlreiche Hendln mit und natuerlich endete die Fahrt am ersten Tag einmal irgendwo im Nirgendwo. Das heisst, als es dunkel war, blieb der LKW einfach stehen. Als sich dann immer mehr der Madegassen einfach ueber die Hendln hinlegten, fuegten wir uns unseren Schicksal und verbrachten auch eine Nacht ueber den Hendlkoerben. Tags darauf erreichten wir dann recht geschafft von wenig Schlaf den Ort Ranohira in der Naehe der Nationalpark Isalo:


Ranohira und Nationalpark Isalo

Weiter ging's mit unserer Reise nach Fianarantsoa, der Hauptstadt des Suedens und von da aus mit der naechsten mehr als abenteuerlichen Fahrt Richtung Ostkueste zum Nationalpark Ranomafana. Generell lernt man hier in Madagaskar einen gaenzlich anderen Zeitbegriff und kann dann bei uns nicht mehr verstehen, wie sich Leute ueber zehn Minuten Verspaetung aufregen konnten. Bei dieser Fahrt warteten wir gut 1 1/2 Stunden bis zur Abfahrt um dann nach wenigen Fahrminuten bei einem Mechaniker das gerade eingebrochene Dack anschweissen zu lassen. Aber irgendwann kamen wir dann endlich im Regenwald der Ostkueste an, wo wir einiges vorhatten:

Ranomafana Nationalpark

So ging unsere Sued- und Westrunde zu Ende und ueber Antsirabe ging's zurueck nach Tana und von hier aus in den Osten zum Naturreservat Andasibe oder Perinet, der Heimat des groessten aller Lemuren, des Indri:

Naturreservat Andasibe (Perinet)

Nach Andasibe wollten wir zuerst erneut an die Ostkueste um dort bei Brickaville in einer Lagune eine Bootsfahrt zu machen, doch das war leider nicht zu organisieren, so dass wir unsere "letzte" Stadt anliefen, naemlich Toamasina. Von Toamasina ging's als Abschluss, dann noch fuer fuenf Tage auf die Insel Nosy Boraha oder auch Sainte Marie zum Relaxen, bevor dann wieder die Uni anfing:

Nosy Boraha (Sainte Marie)

Danach hiess es leider fuer uns zurueck nach Tana und nach zwei weiteren Tagen zurueck in die Heimat!

Generell war Madagaskar sicher bisher eines der genialsten und vielfaeltigsten Laender das wir bereisen konnten und durften. Gerade aus Sicht der Vielfaeltigkeit der Flora und Fauna ist es aufgrund seiner extrem langen erdgeschichtlichen Isolation einzigartig. Aber auch die Menschen Madagaskar's mit Ihren unterschiedlichen Kulturen machen das Land zu einem besonderen Erlebnis. Heute gilt es mehr denn je, dem Land international zu helfen, denn wenn der aufgrund der Armut und der fehlenden natuerlichen Resourcen den Menschen aufgezwungene Raubbau so rasch weitergeht, werden viele der speziellen einzigartigen Tierarten bald ausgerottet sein! Zum Abschluss noch zwei Bilder, die alles zusammenfassen, Madagaskars Bedrohung durch Abholzung und Erosion und ein letzter Blick auf die Straende von Nosy Boraha.

Erosion versus wunderbarer Natur






Zurueck zur Hauptseite

Atrás al mayor pàgina