C A B O V E R D E 1997



Die Brandung auf der Insel Boavista





Informationen ueber die Kapverdischen Inseln

Klima


Die Kapverdischen Inseln bilden den westlichsten Teil der Sahelzone und liegen genau zwischen dem subtropischen Hochdruck- und dem tropischen Tiefdruckguertel. Fast das ganze Jahr bestimmt der Nordostpassat das Klima (von November bis Juli). In den Sommermonaten kann ein feuchtheisser Suedwestwind wehen, der aehnlich einer Art Monsun, den langersehnten Regen bringt. Dieser Niederschlag tritt jedoch nur auf, wenn die aequatoriale Tiefdruckzone weit genug nach Norden wandert. Dann kann es zu wolkenbruchartigen Erguessen kommen, bei denen in einem einzigen Tag die gesamte Jahresniederschlagsmenge fallen kann. Wenn diese Zone jedoch nicht herannaht, kommt es immer wieder zum gleichen Problem, der Duerre.

Die Durchschnittstemperatur liegt bei 23 - 25 Grad Celsius, im August und September koennen Werte von 34 Grad und mehr erreicht werden. Allgemein gesprochen, ist das Klima auf den Kapverdischen Inseln fuer den Tourismus ideal, die besten Reisemonate sind Oktober bis Juni.

Land & Geographie

Mit nur 4.033 km2 haben die Kapverden etwa nur ein Zwanzigstel der Flaeche von Oesterreich. Die Kapverden bilden einen Archipel, der aus neun bewohnten und sechs unbewohnten Inseln besteht. 450 km entfernt liegt an der Westkueste Afrikas Senegal. Seit der Entdeckung war der Inselstaat von geostrategisch grosser Bedeutung mit seiner Lage an der schmalsten Stelle des Atlantiks. So entwickelte sich bereits im 19. Jhd. Mindelo auf der Insel Sao Vicente zu einem Dreh- und Angelpunkt fuer den transatlantischen Schiffsverkehr.

Aufgrund der zahlreichen, immer wiederkehrenden Duerrekatastrophen erscheint auf das erste der Name Kapverde "Inseln des Gruenen Kaps" nicht verstaendlich. Der Name stammt vielmehr von den Entdeckern, die von Norden her segelten und die Region nach der Sahelzone als seit langem wieder gruene Flaeche so benannten. Man unterteilt die Inseln in die Balaventoinseln (dem Wind zugewandt) im Norden, mit Santo Antao, Sao Vicente, Sao Nicolau, Sal und Boavista und die Sotaventoinseln (dem Wind abgewandt) mit den Inseln Brava, Fogo, Santiago und Maio. Auf der Insel Fogo befindet sich der mit 2.829 m gleichnamige Pico de Fogo, der hoechste Berg des Archipels. Er ist zuletzt im Jahr 1951 ausgebrochen. Alle Inseln sind von zahlreichen Taelern (Ribeiras) durchzogen. Die darin verlaufenden Flussbette sind jedoch die meiste Zeit ausgetrocknet.

Die Kapverdianer sprechen offiziell Portugiesisch, im Alltag ist jedoch Creolo sehr weit verbreitet. Das Archipel ist erst seit 1975 unabhaengig und war davor eine Kolonier Portugals. Die Hauptstadt der Kapverden ist Praia und auf dem Archipel leben nur etwa 340.000 Bewohner. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen und dem Zwang fuer viele ihrer Heimat den Ruecken zu kehren, leben jedoch annaehernd doppelt so viele Kapverdianer im Exil.

Bevoelkerung

Im Jahr 1990 wurden auf den Kapverden 337.000 Menschen gezaehlt. Die einzige Alternative die sich den Menschen hier gegenueber den zyklisch wiederkehrenden Duerren bietet, ist seit einem Jahrhundert die Emigration. Tausende suchen in den USA, Holland und Portugal Arbeit.

Nach verheerenden Piratenueberfaellen um 1750 flohen die damaligen portugisischen Siedler, waehrend mehr und mehr Menschen aus Westafrika angesiedelt wurden. Die Gegenmassnahme der portugisischen Regierung war, Straftaeter und politisch unerwuenschte Buerger auf die Kapverden zu verbannen. So siedelten sich zwischen 1800 und 1880 rund 3000 Portugiesen hier an. Heute besteht die Bevoelkerung zum Grossteil aus Mulatten. Etwa 70 % leben auf dem Land, der Rest in den Staedten Praia und Mindelo. Aufgrund dieses Besiedelungsgeschichte lassen sich die 'genetischen Kapriolen' besser verstehen: oft sieht man dunkelhaeutige Menschen mit strohblondem Kraushaar und blauen Augen. Polygamie ist hier weit verbreitet und hat mehrere Ursachen: viele Afrikaner stammen aus Kulturen, in denen sie selbstverstaendlich ist. Aber auch die weissen Herren lebten der vormaligen Skavenbevoelkerung Vielweiberei vor. Mehrere Frauen zu haben war damals ein Symbol fuer Reichtum.

Emigration

Nur um dem Hungertod zu entkommen, mussten immer wieder und immer mehr Menschen den Archipel verlassen. Dabei hatte nicht alle das Glueck, in die USA auszuwandern, sondern viele gelangten auch nach Sao Tome, wo sie unter unwuerdigen Verhaeltnissen auf Zuckerrohrplantagen arbeiteten. Nach und nach wurde etwa auch von Portugal die Emigration gefoerdert, da man auch die Vorteile fuer die eigene Wirtschaft erkannte. In juengster Vergangenheit verlassen jedoch neben Maennern auch Frauen ihre Heimat, um sich in europaeischen Laendern als Hausmaedchen durchzuschlagen. Aus den Ueberweisungen der Emigranten bestreitet der Staat ein Drittel seines engen Budgets. Nur einige der Auswanderer kehren auch wieder zurueck und haben es auch dann oft nicht leicht, da sie sich weder mit dem Auswanderungsland, noch mit ihrer eigentlichen Heimat richtig identifizieren koennen.



Unsere Tour (in Wort und Bild)


Wir (Silvia und ich) bereisten den Archipel im Sommer 1997, vom 19. August bis zum 26. September. Die Anreise erfolgte ueber Muenchen und die Hauptstadt Portugals, Lissabon, wo wir einen gemuetlichen Abend verbringen konnten. Unser erstes Ziel war dann die Insel Sal, auf der sich der einzige internationale Flughafen des Archipels befindet. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, wussten wir, was hier die Regenzeit bedeutet, denn es war beinahe unertraeglich schwuel. So machten wir uns auch nur mehr auf in das kleine Dorf Espargos und legten uns erst mal nur hin. Brutal war auch auf den ersten Blick das, was wir von oben von der Insel gesehen hatten, denn ausser Steinen war da nichts mehr!!

Doch am naechsten Tag ging's gleich los und wir checkten uns beim Airport unser Weiterkommen fuer die naechsten Wochen, naemlich insgesamt zehn (!!) Inlandsfluege. Von den ersten Stunden stammt auch dieses Photo:

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Auf Sal

Unsere zweite Insel, die wir besuchten, war Sao Vicente, mit Mindelo dem zweitgroessten Ort des Archipels. Dort checkten wir uns auch unser Quartier und hatte von hier aus einen sehr schoenen Blick auf den Hafen. Ein Ausflug fuehrte uns an die Ostkueste nach Baia das Gatas, sprich 'Baija dasch Gatasch' - auf Portugiesisch. Das ist eine kleine Bucht mit wenigen Fischerhaeusern und einem kleinen Huegel als Hausberg, den wir gleich erklommen, wie man hier sehen kann:

Baia das Gatas

Von hier aus starteten wir auch unsere leider nur kurze Erkundung der nordwestlichsten der Inseln, Santo Antao, den Alpen mitten im Atlantik. Denn auf der Insel erstrecken sich gewaltige Berge fast nur in Hoehen von 2000 Metern. Wir statteten der Insel nur einen Tagesbesuch ab, der uns mit dem Boot von Mindelo hinueber nach Porto Novo brachte. Und an Bord zeigten viele der Einheimisch ganz klar, dass auch jahrelanges Training mit hohen Wellen keinen voelligen Schutz vor Uebelkeit bringt, denn ich hab' selten ein so 'markiertes' Deck gesehen wie bei der Fahrt. Auf Santo Antao ging's dann mit einem Sammeltaxi, den hier Aluguer genannten Gefaehrten auf einer gewaltigen Bergstrecke bis nach Ribeira Grande. Von da aus machten wir uns zu Fuss auf Richtung Ponto do Sol, wobei der Weg dauernd vorbei an einer wilden Brandung rechts von uns uns fast senkrecht steilen Waenden links von uns fuehrte. Unser Ziel war der Ort Fonteinhas, der sozusagen wie hingeklebt am Eingang eines Tals im auessersten Nordwesten der Insel liegt. Hier erreichten wir die Nordspitze des Archipels. Zurueck ging's auf gleichem Weg und tags darauf dann einer von vielen Fluegen Richtung Praia, der Hauptstadt. Hier kamen wir oft vorbei, vor allem auch deshalb, weil die meisten 'Inlandsinselfluege' ueber die Hauptstadt gehen. Praia selbst ist eine typische Hauptstadt, die den enormen Zuzug kaum verkraftet. Sie bietet heute rund 60.000 Menschen, mehr recht als schlecht eine Heimat.

Doch fuer uns ging's vorerst einmal weiter mit dem naechsten Flugzeug auf eine ganz besondere Insel, Fogo , eine Insel, die nur ein einziger Vulkan ist. Hier blieben wir natuerlich laenger, doch vorerst war bereits der Anflug nicht gerade 'ohne', wir bekamen alles mit, da die Tuer ins Cockpit offenstand, und das was wir sahen, war nicht viel, ausser Dauerregen. So ging's uns dann auch am Airport, als wir noch glaubten, man wuerde den Schauer abwarten, bevor man das Gepaeck aus dem Flugzeug raeumt, da lag auch schon alles mitten im Wasser. Was die Insel jedoch alles anzubieten hat, koennt Ihr hier sehen:

Sao Felipe und schwarze Lavastraende
Pico Fogo - Cha das Caldeiras

Nach den herrlichen Tagen auf der Insel Fogo, ging's weiter zur naechsten Insel, nach Maio einer der drei besonders flachen Inseln im Osten des Inselarchipels. Sie wird gerade von 5.000 Menschen bewohnt, und auch hier scheint die Zeit stillzustehen. Kaum angekommen, hatten wir zuerst Probleme ein Quartier zu finden, denn auf der Insel gibt es nur zwei Hotels. In den folgenden Tagen, in denen es mir, ganz nebenbei wieder mal nicht besonders ging, erwanderten wir den Westen und Osten der Insel. Schliesslich fuhren wir auch ganz in den Norden, stets auf der Suche nach Schildkroeten, die um die Jahreszeit an den Straenden ihre Eier ablegen, wurden dabei aber leider nicht fuendig.

Vila do Maio

Nach Maio war der Besuch der Hauptinsel Santiago unser Ziel. Schon in Praia, der Hauptstadt der Kapverden, lernten wir auch hier die Regenzeit in ihrer ganzen Wucht kennen, als wir eines Morgens in zentimeterhohem Wasser unser Gepaeck bargen. Santiago ist auch relativ huegelig und wenn die Niederschlaege nicht ausbleiben auch zum Teil recht gruen:

Santiago - Schildkroete

Santiago war sehr schoen, doch leider gab's dort nicht nur Positives fuer uns. Denn nach einer Stipvisite von mir im Krankenhaus Praia's erwischte es einmal mehr Silvia, die dann sogar ganze neun Tage lag und wirklich nichts machen konnte. Man kann immer nur hoffen, dass einem so was nicht passiert, aber trotz aler 'Grundregeln' laesst sich so was leider nie ganz ausschliessen. So ging's ein weiteres Mal mit dem Flugzeug weiter, diesmal nach Boavista, einer Insel ganz aus Sand. Und gerade Boavista ist ziemlich genial, nicht nur, weil sich vor dem Hauptort Sal Rei wegen des dauernd starken Windes ein super Surfrevier befindet. Hier die Bilder:

Boavista

Den letzten Teil unseres Trips auf die Kapverden verbrachten wir dann nochmals auf der Insel Sal. Und wir entdeckten, dass die Insel doch mehr zu bieten hat, als nur Steine:

Santa Maria, Pedra Lume und Olho Azul

Und damit endete auch diese herrliche Reise fuer uns. Insgesamt gesehen, muss ich sagen, ist Kap Verde herrlich und auf jeden Fall eine Reise wert. Es ist aber auf jeden Fall eine Tour abseits des Massentourismus, den man nur etwas auf Sal und vielleicht durch ein paar Trekker auf Santo Antao antrifft. Ansonsten hat Kap Verde jedoch unheimlich viel zu bieten, ob fuer den Tierfreund, Natur-, Landschafts-, Berg- oder Stranliebhaber. Darueber hinau sind die Einwohner der Kapverden freundlich und offen. Auch die Inseln Brava - die Blumeninsel - und Santo Antao sollen besonders interessant sein.

Zum Abschluss noch ein Bild von unserem Balkon in Sao Felipe mit Blick auf den Sonnenuntergang ueber Brava!!







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